In den meisten Gebäuden ist WLAN Komfort. Fällt es aus, ist das ärgerlich. In einer Pflegeeinrichtung ist die Lage eine andere: Dort hängen an demselben Netz die Dokumentation der Pflegekräfte, die Verbindung der Bewohner zu ihren Familien, Infotainment in den Zimmern und in wachsendem Maß telemedizinische Anwendungen. Das Netz ist dann kein Zusatz mehr, sondern Teil der Versorgung.
Diese Verschiebung wird bei der Planung oft unterschätzt. Gefragt wird nach der Zahl der Access Points. Entscheidend ist aber, was darunter liegt.
Vier Dinge, die über die Ausleuchtung hinausgehen
Die Verkabelung kommt zuerst. Ein Access Point ist nur so gut wie die Leitung, die zu ihm führt. Wer in einem Neubau die strukturierte Verkabelung sauber plant, bevor die Geräte bestellt werden, spart sich später jede Diskussion über Bandbreite. Wer sie nachträglich korrigieren muss, arbeitet in bewohnten Zimmern.
Bewohner und Betrieb gehören getrennt. Gästezugang, Pflegedokumentation, Haustechnik und Verwaltung haben unterschiedliche Schutzbedarfe. Sie im selben Netz zu betreiben, ist bequem und im Ernstfall teuer. Segmentierung ist hier kein Sicherheitsluxus, sondern Voraussetzung dafür, dass ein infiziertes Endgerät nicht die Dokumentation lahmlegt.
Die Firewall gehört zum WLAN-Projekt, nicht daneben. Sobald Bewohner ein offenes Netz nutzen, entstehen Fragen nach Filterung, Protokollierung und Datenschutz. Diese Fragen lassen sich sauber beantworten, wenn Netz und Firewall gemeinsam geplant werden – und schlecht, wenn die Firewall Monate später dazukommt.
Verwaltung ist eine Betriebsfrage. Wer soll ein Gerät austauschen, wenn es ausfällt? Wer sieht, dass es ausgefallen ist? Ohne zentrale Verwaltung und Überwachung fällt der Ausfall demjenigen auf, der ihn am wenigsten gebrauchen kann: der Pflegekraft in der Nachtschicht.
Ein Projekt in der Pellenz
Die ATV Seniorenresidenz Pellenz in Kruft ist am 1. Februar 2021 eröffnet worden. Gefordert war eine ausfallsichere, flächendeckende Versorgung mit hoher Bandbreite – bei gleichzeitig klaren Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz.
intelliVision1 hat die Infrastruktur installiert, nachdem zuvor eine strukturierte CAT-Verkabelung erstellt worden war. Eingesetzt wurden Cambium-Switches mit und ohne Power over Ethernet, Cambium-Access-Points und eine FortiGate-Firewall.
Das Ergebnis: Jedem Bewohner stehen zwischen 500 und 1.000 MBit/s zur Verfügung. Die Mitarbeitenden dokumentieren digital statt auf Papier. Bewohner nutzen Infotainmentsysteme und telemedizinische Angebote.
Manfred Röser, Geschäftsführer, beschreibt den Ausgangspunkt so: „Unser Anliegen war es von Anfang an, unseren Mitarbeitern und Bewohnern ein angenehmes Umfeld zu schaffen.“
Bemerkenswert an dem Projekt ist weniger die einzelne Komponente als das Zusammenspiel. Verkabelung, Switching, Funkversorgung und Firewall greifen ineinander. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Bandbreite bis ins Zimmer ankommt und nicht auf halbem Weg verloren geht.
Was nach der Inbetriebnahme kommt
Ein WLAN-Projekt endet nicht mit der letzten Montage. Es beginnt dort ein Betrieb, der über Jahre laufen soll – und der genauso geplant gehört wie die Technik.
Drei Dinge sind dabei erfahrungsgemäß entscheidend. Erstens die Sichtbarkeit: Wer sieht, dass ein Access Point ausgefallen ist, bevor sich jemand beschwert? Ohne zentrale Überwachung ist die Antwort in der Praxis „niemand“. Zweitens der Aktualisierungsstand: Access Points und Switches sind Netzwerkgeräte mit eigener Firmware und gehören in denselben Patchprozess wie Server und Arbeitsplätze. Drittens die Dokumentation: Welche Kennung gehört zu welchem Netz, wer darf worauf zugreifen, welche Daten fallen im Gästenetz an und wie lange werden sie aufbewahrt? Diese Fragen tauchen spätestens bei der nächsten Datenschutzprüfung auf – und lassen sich vorher leichter beantworten als hinterher.
Der Aufwand dafür ist überschaubar, wenn er von Anfang an mitgedacht wird. Er wird unangenehm, wenn er erst entsteht, nachdem das Netz schon ein Jahr im Einsatz ist.
Was das für andere Einrichtungen bedeutet
Der Fall ist übertragbar – nicht nur auf Pflege. Überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum gleichzeitig ein Netz nutzen und wo der Betrieb davon abhängt, gelten dieselben Regeln: Hotellerie, Bildungseinrichtungen, Produktionsstandorte mit mobilen Erfassungsgeräten, Verwaltungsgebäude mit Publikumsverkehr.
Drei Fragen helfen, den eigenen Bedarf realistisch einzuschätzen. Welche Anwendungen laufen heute schon über das Netz, und welche sind für die nächsten drei Jahre geplant? Was passiert im Tagesbetrieb konkret, wenn das Netz eine Stunde ausfällt – und wer merkt es zuerst? Und sind Gäste-, Betriebs- und Haustechniknetz heute tatsächlich getrennt, oder nur als getrennt gedacht?
Wer diese Fragen beantwortet, hat die Grundlage für die eigentliche Planung geschaffen. Wie wir Netzwerk, Segmentierung und Firewall als zusammenhängende Architektur betrachten, beschreiben wir auf unserer Seite zur IT-Sicherheit; den laufenden Betrieb mit Überwachung und Wartung finden Sie unter Managed Services.
Nächster Schritt
Wenn bei Ihnen ein Neubau, eine Sanierung oder eine Erweiterung ansteht – oder wenn das vorhandene Netz spürbar an Grenzen stößt –, lohnt sich ein Blick auf die Architektur, bevor Geräte bestellt werden.
Quelle: netzpalaver, „Seniorenresidenz setzt auf Digitalisierungsschub“, 12. November 2021.